Oliver

Du bist schon als Jugendlicher in der Ausbildung von nwik gewesen.

Wie kam es dazu?

Ich wurde als Jugendlicher über das Jobcenter vermittelt. Damals gab es das Projekt Liga (Lichtenberger Gemeinschaft für Ausbildung), über das ich in die Ausbildung zum Bauten-/Objektbeschichter und Maler/Lackierer bei Neues Wohnen im Kiez gekommen bin. Die Gesellenprüfung habe ich 2009 abgelegt.

 

Heute bist Du als Anleiter in der Ausbildung tätig, warum hast Du Dich für nwik als Arbeitgeber entschieden?

Ich habe mehrere Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Da geht es irgendwann nur noch darum, ob Du die vorgegebenen Zahlen erreichst. Da gibt es keine Zeit für Nettigkeiten. Vieles andere, was die Arbeit ausmacht, kommt zu kurz. Ich hatte nie den Kontakt zu nwik und dem Ausbilderteam verloren, war auf die Feste eingeladen. Als eine passende Stelle hier frei wurde und man mich gefragt hat, habe ich nicht lange gezögert, weil ich wusste, dass es passen würde. Ich gebe gerne weiter, was ich gelernt habe und es ist schön zu sehen, wenn das bei den Jugendlichen ankommt.

 

Was zeichnet für Dich ein gutes Jugendhilfeangebot aus?

Hier haben die Auszubildenden die Zeit, die sie brauchen und das wird akzeptiert auch auf den Baustellen. Alle wissen, das sind Auszubildende oder junge Leute, die in den Beruf wollen. Das gibt es so woanders nicht.

 

30 Jahre nwik. Was wünscht Du dem Träger?

Ich wünsche mir, dass Neues Wohnen im Kiez so etabliert bleibt, wie es ist. Es ist ein toller Arbeitgeber. Das kann man ruhig so sagen.

 

Oliver ist Anleiter in der Jugendberufshilfe am Standort Frankfurter Allee, er war schon als Jugendlicher bei nwik in der Ausbildung.

 

 

 

Sven

Wir waren sechs Jugendliche. Mit den Betreuern waren wir wie eine Familie. Wir haben zusammen gekocht und konnten über alles reden. Sie waren einfach da, auch wenn es Probleme gab. Das war etwas, was ich von zu Hause nicht kannte. Zu meinem damaligen Betreuer habe ich bis heute Kontakt. Seit 23 Jahren ist er mein Ziehpapa.

Schule war nie mein Ding. Meine Betreuer und das Jugendamt haben mich bei der Suche nach einer passenden Ausbildung unterstützt. Mit Ratschlägen, Tipps und Druck. Den Druck brauchte ich auch, das war gut. Ich habe mich durchgeboxt. Nach einer berufsvorbereitenden Maßnahme habe ich dann eine Ausbildung zum Trockenbaumonteur gemacht. Dank der Jugendhilfe bin ich das geworden, was ich heute bin. Es ist alles schick, ich bin zufrieden mit dem, was ich geschafft habe.

Ich habe im Leben viel Glück gehabt.«

 

Sven lebte von 1992 bis 1994 in einer der ersten Jugendwohngemeinschaften. Nach der Ausbildung zum Trockenbaumonteur arbeitete Sven dort als Haushandwerker. Seit 2006 ist er als Koordinator für die Ruhdi GmbH tätig

 


 

 

Carsten

»Was sich in all den Jahren nie geändert hat, ist unser Anspruch, Kindern und Jugendlichen Werte und Lebensschwerpunkte jenseits von Konsum und Status zu vermitteln. Jugendliche, die nie materielle und emotionale Sicherheit erlebt haben, erfahren bei uns fundamentale zwischenmenschliche Werte: Nähe, Vertrauen, miteinander reden, sich zuhören, Konflikte aushalten und Probleme lösen. Die Aussichten für die Zukunft: Es wird nicht einfacher. Durch die Globalisierung werden die Möglichkeiten für jeden Einzelnen größer, aber auch die Probleme, die damit einhergehen. Um in diesem Wirrwarr klar zu kommen, brauchen junge Menschen mehr Orientierungshilfen und Zeit.

 

Bei der Suche nach dem  roten Faden für ihr Leben helfen ihnen unsere gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiter. Ihre Arbeit bedeutet, sich täglich mit den aktuellen Thematiken der Jugendlichen auseinanderzusetzen, sie darin zu bestärken, Verantwortung zu übernehmen und nicht darauf zu warten, dass andere sich kümmern. Diese Haltung leben unsere Mitarbeiter vor, was erheblich dazu beiträgt, den sozialen Frieden in Berlin mit seinen sozialen Brennpunkten zu erhalten.

 

In 30 Jahren waren es viele junge Menschen, die von unserer Arbeit geprägt wurden. Unsere Aufgabe ist es, auch das Scheitern auszuhalten und immer wieder den Jugendlichen als Sparringspartner zur Verfügung zu stehen. Zum Leben gehören Probleme, die man lösen muss und für die man manchmal Unterstützung von außen braucht. Das ist eine persönliche und gleichzeitig gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sehr bereichernd wirkt, wenn sie gelingt.«

 

Carsten Tamm, Geschäftsführer nwik 1996-2020