Aktuelles

 

 

Neues Angebot: Mondlicht Move

Am 1. Mai ist das neue Projekt Mondlicht Move gestartet, das sich ausschließlich übergewichtigen und adipösen Menschen ab 16 Jahren widmet. Im Zentrum der Arbeit von Projektleiterin Silke Springer und ihrem fünfköpfigen Team stehen Themen wie die  individuelle Lebenssituation der Betroffenen, die Ernährung, Tagesstruktur, Bewegung, Aktivsein und eine zu verändernde Lebenshaltung der Bewohner. Die Wohngemeinschaft für acht Jugendliche – Mädchen und Jungen - und/oder Erwachsene  befindet sich in der Charlottenburger Straße 132/133 in Weißensee. Die Räume wurden frisch gestrichen, die Möbel erneuert und die große Terrasse im Freien lädt zum gemeinsamen Essen ein.

 

Frau Springer, gilt Adipositas als Krankheit?

Adipositas wird im medizinischen Sinne nicht als Krankheit definiert, eher als Risikofaktor. Das ändert sich langsam, da auch die Krankenkassen Alarm schlagen. Die Folgeerkrankungen der Adipositas wie u.a. Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen würden immer mehr zunehmen. Auch in den Medien ist das Thema Übergewicht häufig präsent, besonders wenn es um Kinder und Jugendliche geht. Ab Bodymaßindex (BMI) 25 gilt man als übergewichtig, wobei dies stets individuell betrachtet werden muss. So wird z.B. jemand der sehr muskulös ist, auch schwerer sein und ist deshalb nicht gleich übergewichtig. Ab BMI 30 spricht man dann von Adipositas.

 

Welche Ursachen hat Adipositas?

Die Ursachen können vielfältig sein. Neben genetischen Dispositionen werden oft Ernährungs- und Lebensgewohnheiten innerhalb der Familie weitergegeben. In vielen Familien wird nicht mehr gekocht und nicht mehr gemeinsam gegessen. Hinzu kommen familiäre Konflikte, Isolation und mangelnde Zuwendung. Essen kann auch Trost und Ersatz für fehlende Liebe und Aufmerksamkeit werden. Schulprobleme, Mobbing und auch sexueller Missbrauch können eine Rolle spielen.

 

Was ist das besondere an dem neuen Angebot von Mondlicht Move?

Bei uns werden ausschließlich Menschen Frauen und Männer ab 16 Jahre und auch Erwachsene aufgenommen, die übergewichtig oder adipös sind. Bisher hatten wir in unseren Mondlichtprojekten noch keine Gruppe mit diesem speziellen Angebot. Die Betroffenen (ausschließlich Frauen) lebten bisher in der Gemeinschaft mit Frauen, die an Anorexie oder Bulimie leiden.

 

Was ist die Voraussetzung dafür, dass eine Betreuung erfolgreich verläuft?

Eine große Motivation der Betroffenen, Ehrlichkeit zu sich selbst und  Disziplin sind sehr wichtig. In den betreuungsfreien Zeiten müssen wir vertrauen, dass dann nicht zusätzlich eingekauft und gegessen wird. Wir sind in der Regel ab Mittag bis 20:00 Uhr  hier, ergänzend bieten wir aber auch öfter ein begleitetes Frühstück an. Es geht nicht in erster Linie darum, eine bestimmte Anzahl an Kilos in einer Woche abzunehmen. Ein Erfolg kann auch sein, erst einmal das Gewicht zu halten oder kleine Veränderungen im täglichen Leben zu etablieren. Hier wollen wir sehr individuell auf jeden Einzelnen eingehen und versuchen, die Motivation, überhaupt etwas zu verändern und darin einen Sinn zu sehen, aufrechtzuerhalten. Die Hauptaufgabe der ersten Zeit wird sein, dass die Bewohner nicht die Lust verlieren, auch wenn es anstrengend wird und ihre ursprünglichen Ziele nicht vergessen.

 

Wie lange ist denn eine Therapie angezeigt?

Ein halbes Jahr ist Minimum. In der Regel werden es ein bis anderthalb Jahre, manchmal auch zwei sein. Wer lange Zeit mit bestimmten Gewohnheiten gelebt hat, braucht auch Zeit, um Neues zu lernen. Je jünger die Klient/innen sind, umso mehr wird auch die Familie in den Prozess integriert sein. Einen großen Baustein stellt die Ernährung dar, um die sich unsere Ernährungsberaterin mit 20 Stunden kümmert. Es soll nicht gehungert werden, sondern es geht um regelmäßige und ausgewogene Mahlzeiten. Die Jugendlichen und Erwachsenen sollen lernen für sich und auch für mehrere zu kochen und Neues auszuprobieren.

Wir wollen auch gezielt Bewegung integrieren. Eine Lauftherapeutin wird dafür einmal in der Woche zur Verfügung stehen. Der Weiße See in der Nähe bietet dafür gute Möglichkeiten, die sicherlich für einige eine große Herausforderung sein werden. Wir haben auch einen Bewegungsraum vor Ort, wenn die Hürde zu groß ist, sich tatsächlich nach draußen zu bewegen.

 

Wie verteilen sich die weiteren Aufgaben im Team?

Zwei Sozialpädagoginnen unterstützen die Mitbewohner dabei, sich eine Tagesstruktur zu schaffen und sich um Ausbildung, Praktikum und Beruf zu kümmern. Die Ernährungsberaterin begleitet sie bei der Zusammenstellung ihrer täglichen Nahrungsmenge und leitet das Kochen an. Zwei Therapeutinnen bieten wöchentliche Einzeltherapie sowie Familientherapie an und die Lauftherapeutin sorgt für gezielte Bewegung. Die medizinische Betreuung werden niedergelassene Ärzte übernehmen, mit den wir dann im Austausch sein werden.

 

Haben sich schon Betroffene gemeldet?

Erfahrungsgemäß wird es einige Wochen dauern bis sich das Angebot herumgesprochen hat und die ersten Plätze vergeben werden. Derzeit kümmern wir uns noch verstärkt um die Öffentlichkeitsarbeit und richten die Räume ein. Wir freuen uns sehr auf diese Arbeit und sind gespannt auf diese neue Herausforderung und die neuen Erfahrungen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Informationen zu den Angeboten von Mondlicht...