mentos.mitte – Jugendberatungshaus

 

 

Orientierungshilfe für junge Geflüchtete

 

Frau Konopnicki, Wie viele junge Geflüchtete begleiten Sie momentan?

Ich begleite zwischen 12-14 Jugendliche, auf die ich meine 25 Stunden in der Woche aufteilen muss. Die Intensität der Begleitung ist je nach Situation der jungen Geflüchteten unterschiedlich. Anfangs habe ich viel Netzwerkarbeit gemacht, um persönliche Kontakte zu knüpfen. Inzwischen investiere ich die meiste Zeit für die Geflüchteten.

 

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Gestern habe ich achteinhalb Stunden mit einem afghanischen Bruderpaar beim Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten verbracht, um zu klären, warum dem jüngeren Bruder das Essensgeld gestrichen wurde. Eine komplizierte Situation, da zwei Geburtsdaten von ihm in den Akten auftauchen. Einen Ausweis oder offizielle Papiere aus der Heimat gibt es bislang nicht. Das Dilemma ist, selbst wenn wir es schaffen, diese zu besorgen, könnte dies so ausgelegt werden, dass der junge Mann in Afghanistan nicht verfolgt wird und deshalb eine Abschiebung noch wahrscheinlicher wird. Ich habe nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der die Brüder bei den weiteren Schritten beraten wird. Das ist ein Beispiel für einen schwierigen Fall, aber es gibt auch andere, wo sich die Dinge gut entwickeln.

 

Können Sie dafür auch ein Beispiel nennen?

Ich begleite zwei afghanische junge Männer, die eine Ausbildung im handwerklichen Bereich suchen. Das Projekt Bildungsmanufaktur beispielsweise setzt niedrigschwellig an, das heißt die Kostenübernahme muss nicht vorab geklärt werden und die jungen Menschen können einfach mal einen Tag mitlaufen und sich anschauen, ob das Angebot etwas für sie ist. Falls ja, könnten sie sofort einsteigen, weil noch Kapazitäten frei sind. Das sind Möglichkeiten, wo sich eine Chance auftut.

 

Mit welchen Voraussetzungen kommen die Geflüchteten?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche haben gar keine Ausbildung oder haben nur vier Jahre Schulbildung vorzuweisen. Andere haben schon in ihrer Heimat studiert oder einen Beruf gelernt, in dem sie aber nicht arbeiten wollen und sich neu orientieren möchten. Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Projekte und Angebote zu kennen, um je nach Voraussetzung das passende zu finden. Das Projekt Hospitality etwa bietet die Möglichkeit, eine Ausbildung ohne Schulabschluss zu machen.

 

Das Projekt ist bis September 2017 finanziert. Wie schätzen Sie den zukünftigen Bedarf ein?

Wir schreiben gerade einen Bericht, um dem Jugendamt deutlich zu machen, dass der Bedarf groß ist. Es ist eine absolut sinnstiftende Aufgabe. Die jungen Menschen kommen freiwillig zu uns, sind sehr motiviert und unheimlich dankbar für jede Unterstützung. Das drückt sich dadurch aus, dass man mal zu einem Konzert oder zum Essen eingeladen wird. Da kommt ganz viel zurück an Wertschätzung und Anerkennung. Das ist gelebte Integration, wenn es für beide Seiten eine Bereicherung ist.