Perle 2008–2012

»PERLE ist ein systemisch-familientherapeutisches Angebot für Familien mit Kindern vorrangig im Grundschulalter.
Wenn Konflikte in der Familie oder Verhaltensprobleme des Kindes die Eltern-Kind-Beziehung schwerwiegend belasten, kann eine vorübergehende Unterbringung in der PERLE sinnvoll sein. Außerdem arbeiten wir mit Familien, deren Kinder aus Kinderschutzgründen aus dem Haushalt ihrer Eltern herausgenommen werden mussten.

Bevor ich anfing, mich mit den Dynamiken in Familien mit Kindern dieser Altersgruppe zu beschäftigen, war mir nicht bewusst, welche radikalen Verhaltensweisen Kinder entwickeln können. Eltern und Kinder befinden sich oft in die Symptomatik verstärkenden »Teufelskreisen«, aus denen es scheinbar kein Entrinnen gibt. Machtorientierte Kinder schlagen, spucken, schreien stundenlang, demolieren Mobiliar, verweigern sich völlig oder bestimmen den gesamten Tagesablauf. In diesen Familien besteht unser Ausgangspunkt in der Anerkennung der Notlage der Eltern und im Verständnis für deren Schwierigkeiten. Mit der stationären Unterbringung des Kindes in der PERLE ergeht ein Signal an die Kinder: ihr seid hier, weil eure Eltern anders mit euch umgehen wollen. Die Kinder spüren natürlich die Veränderung und reagieren meistens mit Verhaltensweisen, die sie bisher noch gar nicht ausprobiert haben.

Die Symptomatik des Kindes ist jedoch vorerst sekundär. Wir fragen in erster Linie, wie wir mit den Eltern eine Erziehungspartnerschaft herstellen können, damit es zu einem wesentlichen Wandel in der Präsenz und in der Stellung der Eltern zu Hause kommen kann.«

 

Auszug aus der Jubiläumsschrift »20 Jahre nwik«, Text: Regina Nürnberg-Nebel, Psychologin und Fachliche Leiterin von PERLE, Illustration: Claudia Nichelmann. Trotz des wegweisenden Konzeptes musste die Einrichtung 2 Jahre später geschlossen werden.

 

 

Cool statt Knast 2006–2019

Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG)

 

Cool statt Knast ist ein Projekt für jugendliche Delinquenten. Es setzt auf strukturierte, intensive und themenorientierte Gruppenarbeit, um zu vermeiden, dass Jugendliche über eine Haftstrafe in eine kriminelle Laufbahn münden.

Als Teil der ambulanten Maßnahmen nach dem JGG ist Cool statt Knast für delinquente Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren in Berlin gedacht. Alle eingesetzten Methoden und Übungen dienen dazu, zu verhindern, dass die Teilnehmenden erneut straffällig werden. Sie erlernen im Rahmen des Projekts Stress- und Gewalt­vermeidungs­strategien und entwickeln selbstbestimmt Denk- und Handlungsalternativen zu den bisher geübten kriminellen Handlungen. Letztlich erwerben sie im Rahmen von Cool statt Knast soziale Handlungskompetenzen, wie die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und andere.

Cool statt Knast ist 2006 die einzige Einrichtung im Ostteil Berlins, die mit einer Zulassung des Berliner Senats das Anti-Gewalt-Training mittels konfrontativer Pädagogik im Rahmen der Ambulanten Maßnahmen nach JGG anbietet und durchführt. Eine weitere Besonderheit besteht in der strukturierten, intensiven und themenorientierten Gruppenarbeit mit den Jugendlichen. Die verschiedenen Kursangebote tragen zu einem toleranten und gewaltfreien Umgang der Teilnehmenden mit anderen bei. Die meisten Delinquenten überprüfen bei Cool statt Knast die eigenen Verhaltensmuster und Denkstrukturen und einer Änderung bisheriger negativer Handlungs- und Bewältigungsstrategien